Desinformation als situierte Praxis: Institutionelles Mistrauen in alltäglichen Arbeitsrutinen eines Sicherheitsdienstes

Mein Beitrag konzentriert sich auf Desinformationspraxis in einem geheimdienstlichen Setting und beschreibt Prozesse situativer Herstellung, Erkennung und Aushandlung von Desinformation in Interaktion mit einer Fokussierung aus die folgende Fragen: Wie wird eine Situation als „desinformativ“ erkannt und wie läuft dann die Verständigung zwischen den Beteiligten ab, durch welchen konkreten Handlungen und Interaktionseigenschaften wird sie deutlich und wie wird sie in einem direkten Interaktionsaustausch ausgehandelt und vielleicht instrumentalisiert? Diese Fragen werden durch Verweis auf konkreten Theorien und Methoden ausgearbeitet und im Vortrag anhand eines natürlichen empirischen Materials aus dem Stasi-Archiv behandelt.
Seit 2020 bin ich Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Kulturpsychologie und Wissensanthropologie der Ruhr-Universität Bochum, seitdem ich dort ein interdisziplinäres DFG-Projekt zu Bürgeranrufen beim ehemaligen Ministerium für Staatssicherheit leitete. Von 2011 bis 2014 war ich Postdoktorandin im Rahmen der Exzellenzinitiative an der Bielefeld Graduate School in History and Sociology der Universität Bielefeld. Zuvor, von 2010 bis 2011, arbeitete ich als Postdoktorandin in einem DFG-Projekt an der TU Chemnitz. Meine Promotion in Soziologie habe ich 2010 an der TU Dresden abgeschlossen.